Partizipatorische, faire und transparente Entscheidungskultur
Ebenfalls in der Anfangsphase sollten die Entscheidungsstrukturen klar festgelegt werden. Welche Entscheidungen werden von wem getroffen und in welcher Form entscheiden Gruppen? Und noch wichtiger: Wie werden Beschlussvorschläge erarbeitet, damit sie die gesamte Weisheit der Gruppe integrieren? Die festgelegte Gruppenstruktur geht Hand in Hand mit der gelebten Gruppenkultur, welche wiederum von der Struktur geprägt wird. Die Strukturen werden sich im Laufe der Projektdauer verändern müssen: Während zum Beispiel zu Anfang eines Projektes die Grenzen der Gruppe oft sehr durchlässig sind und sein sollten, braucht ein Gemeinschaftsprojekt, das langfristig Bestand haben will, zu einem bestimmten Zeitpunkt Klarheit darüber, welche Menschen wirklich verbindlich dabei sind und die Entscheidungen treffen und wer lediglich mal reinschnuppert. Es braucht Klarheit über Aufnahme- und Austrittsregelungen. Für die Anfangsgruppen ist es in der Regel ein wichtiges gemeinschaftsbildendes Element, zu verschiedensten Fragen mit viel zeitlichem Aufwand einen gemeinsamen Gruppenkonsens zu entwickeln. Dies führt nicht nur zu von allen getragenen Entscheidungen, sondern dient auch dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Austausch über Werte und persönliche Hintergründe. Mit zunehmender Komplexität des Projektes und Zeitdauer des Zusammenlebens- und -arbeitens kommt jedoch oft der Punkt, an dem sich eine Gruppe dazu entschließt, dass es sinnvoller ist, Entscheidungen zu delegieren. Ebenso wird erkannt, dass es manchmal besser ist, eine Entscheidung zu treffen, die einigen nicht gefällt, als gar keine Entscheidung zu treffen. So entwickeln sich Entscheidungsstrukturen in der Regel im Laufe der Projektgeschichte, und das ist ein gesunder Prozess.
Auszug aus dem Buch von Stützel, Eva. Der Gemeinschaftskompass: Eine Orientierungshilfe für kollektives Leben und Arbeiten (S. 19). oekom verlag.
Formen der Entscheidungskultur
Soziokratie
gibt der Mehrheit in Gruppenent-scheidungsprozessen weniger und dem Einzelnen mehr Macht als die Demokratie. Durch seine Prinzipien wird sichergestellt, dass ein Ignorieren von Spannungen vermieden wird und im Sinne von gemeinsamen Zielen nachgesteuert wird. Die Mitglieder entwickeln Mitverantwortung kollektiver Intelligenz sowohl für den Erfolg als Ganzes als auch für jeden Einzelnen.
www.soziokrate.org/wp-content/uploads/2011/06/wasistsoziokratie1.0-nutzenundgrenzen.pdf
Systemischer Konsens
Eine einfache und hochwirksame Methode für Entscheidungsfindung in Gruppen. In einer Gruppe besteht Konsens, wenn niemand Einwände hat, wenn niemand dagegen ist. Systemisches Konsensieren beruht auf der Annahme, dass die Lösung mit dem geringsten Widerstand dem Gruppenkonsens besser entspricht als die mit der größten Zustimmung.
www.bipar.de/systemisches-konsensieren/
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Open Space
eignet sich zur Moderation von großen Gruppen. Charakteristisch ist die inhaltliche Offenheit: Die Teilnehmer:innen geben eigene Themen ins Plenum und gestalten dazu je eine Arbeitsgruppe. Wichtig ist eine Infrastruktur, die die Umsetzung der entstandenen Projektideen organisiert, denn Open Space kann in kurzer Zeit eine große Vielfalt von konkreten Maßnahmen produzieren.
(Basis-)Demokratie
Die sicherlich bekannteste Form der Entscheidungsfindung: es gilt der Mehrheitsbeschluss.
Einstimmigkeit
Nur wenn alle Beteiligten für Ja stimmen oder sich enthalten gilt eine Entscheidung.
Vorstand/Vollversammlung
Der gewählte Vorstand erläutert bei der Vollversammlung allen Mitgliedern die Ergebnisse.
Open Schnick (Känguru-Chronik)
Das Ergebnis wird durch Diskussion ermittelt.
